
Psychische Erkrankungen sind in Deutschland wie in den meisten Industrieländern, eine wachsende Herausforderung für Produktivität und Personalpolitik wettbewerbsorientierter Unternehmen. Mit der aktuellen europaweiten Kampagne "mensch und arbeit im einklang. move europe", in Deutschland federführend vom BKK Bundesverband betreut, wird dieser Situation Rechnung getragen.

Im Rahmen des Deutschen Unternehmenspreises Gesundheit 2009 wurde E.ON Energie mit dem Sonderpreis „Psychische Gesundheit“ ausgezeichnet, weil das Unternehmen sein Gesundheitsmanagement unter dem Schlagwort „Energie zum Leben“ seit 2008 gezielt und dauerhaft um Aktivitäten zum Themenfeld psychische Gesundheit ergänzt hat.
E.ON Energie: Vorgehen wie nach dem Lehrbuch
Bei E.ON Energie hat man erkannt, dass mit noch so guten Einzelmaßnahmen der BGF weder ein nachhaltiger noch in die Breite wirkender Erfolg zu erreichen ist. Um die Kampagne „Energie zum Leben“ möglichst genau auf den Bedarf von Mitarbeitern und die strukturellen Bedingungen des Unternehmens zuzuschneiden, setzte man von Beginn an darauf, die Erkenntnisse und Strategien der fachlichen Ebene durch Partizipationsangebote für alle Mitarbeiterebenen zu ergänzen und so für möglichst breite Akzeptanz zu sorgen.
Fachsymposium zum Auftakt
Begonnen wurde im Mai 2008 mit einem Fachsymposium unter dem Titel „Stress und psychische Gesundheit“. Zugleich wurden in Workshops die Grundlagen für die konkrete Ausgestaltung der Kampagne geschaffen. Schon im Folgemonat wurden Einführungsworkshops veranstaltet, in denen Betriebsräte und Führungskräfte nicht nur informiert, sondern auch beteiligt wurden. die Anregungen und Wünsche von Führungskräften und Betriebsräten wurden dadurch in die Ergebnisse der einleitenden Veranstaltungen integriert. Auf dieser Basis wurden zeitnah fünf Maßnahmenpakete entwickelt.

Sensibilisierung und Information der Belegschaft
Unter dem Stichwort „Antistigmatisierung“ wurden innerhalb eines halben Jahres 79 Aktionstage an den über ganz Deutschland verteilten Standorten des Unternehmens durchgeführt.
Die Beschäftigten konnten dabei über Stressmessungen und mithilfe des Biofeedbackverfahrens ihre persönliche Belastung analysieren. Schnupperkurse und Beratungsangebote zeigten, dass und welche Hilfsangebote es gibt. Und wer „Depressionen“ als Bagatelle, Depressive als eingebildete Kranke abtat, wurde beim Aufenthalt in einem „Depressionsraum“ eines anderen belehrt: In dem abgedunkelten Raum bewegt man sich bleiwestenbeschwert durch tunnelartige Gänge und hört düstere Gedanken – die von Kranken empfundene körperlichen Schwere und Ausweglosigkeit wird in dem von der Caritas und Traunstein konzipierten Depressionsraum buchstäblich nacherlebbar.
Multiplikatoren qualifizieren
Mit dem Ziel, die besonderen Anforderungen beim Umgang mit psychisch kranken Mitarbeitern näher zu bringen und die Diagnosesicherheit zu verbessern wurden die in den Geschäftsbereichen von E.ON Energie arbeitenden Betriebsärzte geschult. Auch Betriebsräte und Schwerbehindertenvertreter wurden in die Lage versetzt, den betroffenen Mitarbeitern als kompetente Gesprächspartner und Berater zur Seite zu stehen. Die dritte Multiplikatorengruppe bildeten die Sicherheitsfachkräfte.
Vorhandenes ausbauen – zielgruppennah arbeiten
Für die „operative Phase“ konnte E.ON Energie auf eine lange Reihe von bereits integrierten Maßnahmen, die Prävention und Förderung der Psychische Gesundheit unterstützen - zurückgreifen und musste diese nun „nur noch“ ausbauen. Dazu gehören u. a. Sportangebote und Ernährungsberatung, Angebote zur Stressprävention, Entspannungskurse, Schulungen zur Verbesserung der Kommunikationskompetenz sowie individuelle Mitarbeitergespräche und nicht zuletzt die Möglichkeiten zur verbesserten Vereinbarung von Beruf und Privatleben.
Damit Ursachen und Strategien zur Verhinderung psychischer Erkrankungen auch bei Entscheidungen und Prozessen anderer Fachbereiche mit sachverwandten Themen berücksichtigt werden, beteiligen sich die Gesundheitskoordinatoren wenn beispielsweise im Rahmen der Personalentwicklung Belohnungssysteme, die Struktur von Mitarbeitergesprächen oder die Anforderungen des Change Management auf der Tagesordnung stehen. Weiterhin werden die existierenden Gesundheitszirkel in verschiedenen Business Units um den Punkt „Betriebsklima“ ergänzt. Und auch bei den vielfältigen Aktivitäten von E.ON Energie zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf werden Aspekte wie Stress und andere psychische Belastungen nun noch stärker eingebracht als zuvor.
Sonderpreis „Psychische Gesundheit“
Aus Sicht der Juroren des Deutschen Unternehmenspreises Gesundheit ist E.ON Energie deshalb gleich in mehrfacher Hinsicht ein vorbildliches und damit preiswürdiges Beispiel bester Praxis beim Thema „BGF für psychische Erkrankungen“
Artikel in der BKK 03/2010 (PDF, 247 KB)
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